Wiesbaden ist leider immer noch eine Stadt der Autos und Individualmobilität. Das wird nicht mehr lange erfolgreich sein. Schon heute sind die Straßen stark verstaut und im Berufsverkehr "geht nichts mehr". Hier sind moderne Mobilitätskonzepte gefragt. Eine Stadtbahn auf Schienen ist sicher nicht der richtige Weg, wo doch selbstfahrende Busse und Taxis in nur wenigen Jahren Alltag sein werden. Aber Alternativen zum Auto müssen attraktiver werden. Allem voran ist kostenloser Nahverkehr ein interessanter Ansatz. Car-Sharing-Spuren für Autos mit mindestens zwei oder drei Insassen. Auch eine "Auto-freie" Innenstadt, kann attraktiv gestaltet werden und Menschen wieder dazu einladen, diese zu besuchen. Lange Parkplatzsuche, Knöllchen und Parkgebühren schrecken ab. Eine Anfahrt mit Auto an die Innenstadtgrenze oder mit Bus oder Fahrrad sowie dann ein "entspannter" Tag in der Stadt zu Fuß oder auf einem E-Roller etc., ist dagegen deutlich attraktiver. Zudem muss dem Fahrrad mehr Raum gegeben werden. In Wiesbaden gibt es kaum durchgängige und gut abgesicherte Fahrradwege. Diese enden, so sie denn überhaupt existieren, meist nach wenigen Metern im Nirvana. Es ist eine Illusion zu glauben, dass erst mehr Menschen Fahrrad fahren müssen, bevor man diesen die Infrastruktur bietet. Im Gegenteil muss zunächst die Infrastruktur geboten werden, damit das Rad aufgewertet und attraktiver werden und das Auto immer unattraktiver, dann kommt es zu mehr Fahrradnutzung. Dies konsequent umsetzen und den Bürgern erklären, ist ein Erfolgsgarant für die Zukunft. Selbst in einer hügeligen Stadt gibt es heute in der Zeit von E-Bikes keine Ausreden mehr. Jeder Betrieb, der auf Lastenfahrräder umstellt, sollte temporär von der Gewerbesteuer befreit oder anderweitig gefördert werden. Zudem wäre eine "Auto-freie" Woche spannend. In dieser sollte Nahverkehr kostenfrei sein und jeder einen Einkaufsgutschein erhalten, der mit dem Fahrrad kommt. Nur so können Bürger einmal die "Luft nachhaltiger Mobilität" schnuppern, es ausprobieren und dann vielleicht dauerhaft umsteigen. Der Erfolg der dahinter steht ist eine belebte Innenstadt, gesunde Luft und Freiheit von Stress und teuren Mobilitätskosten.

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3 Kommentare

Theis Stüven, 13. August 2020 um 16:40 Uhr

Ich schließe mich dem Kommentar von Ursula B. an. Autonome Busse lösen nicht das Problem des Platzmangels an den Bushaltestellen der Knotenpunkte, welches ein Hindernis für die Verdichtung des Taktes im ÖPNV ist. Das könnte nur durch größere Einheiten, sprich Straßenbahn, gelöst werden welche mittelfristig im übrigen auch preiswerter im Unterhalt ist, als ein Bussystem.

Wichtig für Radfahrer sind auch ausreichend Stellplätze, an denen man das (teure E-)Bike sicher anschließen kann.

Ich Schlage vor, Mühlgasse, An den Quellen, Saalgasse und Nerostraße in Fußgängerzonen umzuwandeln. Das würde mehr Raum für die Entfaltung von Geschäften bringen und einen übermäßigen Parkplatzsuchverkehr im Verhältnis zur Parkplatzzahl reduzieren.

Torben Klose, 16. April 2020 um 21:53 Uhr

Gerade in diesen Tagen habe ich als Radfahrer das Gefühl, die Autofahrer sind noch rücksichtsloser geworden - der Mehrplatz verleitet zum Rasen. Deswegen: Massive Sperrungen für den MIV, Geschwindigkeitsbeschränkungen für Autos und wir machen Wiesbaden endlich zu einer Stadt moderner Mobilität. Allerdings: Die City-Bahn wird ein zwingender Teil davon. Autonomes Fahren bleibt eine Vision und ist keine Alternative zur Bahn!

Ursula B., 15. April 2020 um 17:17 Uhr

Radthemen: Volle Unterstützung meinerseits, ich finde, dass Andreas Kowol in Sachen Fahrrad den richtigen Weg eingeschlagen hat.

Nachhaltige Mobilität ist für mich auf jeden Fall eine Investition in die längst überfällige Straßenbahn. Eine Straßenbahn hat so viele Vorteile - und autonom fahren wird auf Schienen viel schneller möglich sein als auf der Straße.
An die Mär, dass das autonome Fahren die Mobilität besser macht, glaube ich einfach nicht. Wir haben zu viele Autos, der Antrieb und die Art, wie sie fahren (Diesel, Benzin, E-, Wasserstoff, mit Fahrer, autonom) ist sekundär.
Eine echte Alternative wäre ein Neuaufsatz mit mehr Platz fürs Radfahren (Kurzstrecken und die, die das können /wollen), mehr raum für Fußgänger (mindestens 1,5m breite Gehwege in der ganzen Stadt!) und ein Straßenbahnnetz für den Transport von vielen Menschen.

Insofern: Unterstützung für den Vorschlag ja, aber nur in Teilen ;-)

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