Die Debatten zum Projekt "Stadtmuseum" könnten irgendwann selbst einmal im Museum landen, so lange wird in Wiesbaden schon darüber diskutiert, ob die Stadt ein historisches Museum benötigt und wie ein solches Haus aussehen soll.
Was bei den Diskussionen über das "neue" Museum häufig vergessen wird: Wiesbaden hatte bis 2006 ein historisches Museum, die so genannte "Sammlung Nassauischer Altertümer" (SNA) im Südflügel des Landesmuseums. Diese Abteilung des Museums wurde vom Land geschlossen und die Sammlung Wiesbaden geschenkt, damit die Stadt die SNA im neuen Stadtmuseum präsentiert. Mit dem Scheitern der Pläne für das neue Stadtmuseum vor wenigen Jahren hat Wiesbaden nicht nur kein "neues" Museum bekommen, sondern die Stadt hat heute ein Museum weniger als vor 15 Jahren, denn das neue SAM im Marktkeller erfüllt kaum die Kriterien für ein angemessenes Provisorium.
Das Projekt Stadtmuseum sollte daher neu gedacht werden: Statt des geplanten Stadtmuseums sollte die Stadt auf das Land zugehen und vorschlagen, gemeinsam ein "Historisches Zentrum" zu errichten, das 1 Haus mit 2 Museen (mit getrennter Trägerschaft) beinhaltet. Neben dem Stadtmuseum (zu dessen Errichtung das Land ursprünglich ohnehin 5 Mio. Euro zugesagt hatte) soll dieses Zentrum auch das "Haus der Geschichte des Landes Hessen" beherbergen. Das Land Hessen hat in den vergangenen 15 Jahren immer wieder diskutiert, ob es ein historisches Museum zur Landesgeschichte (nach Vorbild des Hauses der Geschichte in Bonn und dem Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg) errichten soll. Entsprechende Konzepte wurden im Auftrag des Landes bereits erstellt, jedoch bislang nicht weiter politisch verfolgt.
Aus meiner Sicht wäre das "Historische Zentrum" eine Win-Win-Situation für Stadt und Land:

Vorteile für Stadt und Land:
1.) Ein Historisches Zentrum mit zwei Museen zieht mehr Besucher an als ein einzelnes Haus.
2.) Sowohl Stadt als auch Land könnten ihren Bürgern endlich einen Ort bieten, um sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen; gerade in Zeiten der Globalisierung und der globalen Migration bietet (Regional-)Geschichte die Möglichkeit, sich mit der Geschichte, Kultur und Gesellschaft auseinanderzusetzen und zu identifizieren.
3.) Die Kosten wären sowohl für den Bau als auch für die Betriebskosten für beide Seiten weitaus niedriger: Beim Bau müssen viele zentrale Museumsbereiche nur einmal errichtet werden, zB die Museumskasse, der Museumsshop, die Räume für Museumspädagogik, die Garderobe, die Sanitäranlagen, das Depot usw.; das gleiche gilt für die Betriebskosten: das Personal für Kasse, Shop usw. wird nur einmal benötigt, zugleich können sich die beiden Museen unter einem Dach viele Räume und Kosten dauerhaft teilen.
4.) Die beiden Museen könnten voneinander profitieren, zB durch gemeinsame Sonderausstellungen, gemeinsame (Forschungs-)Projekte usw.
5.) Die Stadt Wiesbaden könnte nach fast 15 Jahren endlich wieder den Bürgern und Schülern der Stadt ein historisches Museum anbieten, das auch größere Sonderausstellungen zeigt; die SNA, die ohnehin nicht nur stadt-, sondern eigentlich regionalgeschichtlich ausgerichtet ist, würde durch die Nachbarschaft eines historischen Landesmuseums besonders profitieren
6.) Das Haus der Geschichte Hessens wäre nicht zuletzt auch eine Stärkung der Rolle Wiesbadens als Landeshauptstadt.

Angesichts der aktuellen Corona-Pandemie und deren wirtschaftlichen und finanzpolitischen Folgen kann ein solches größeres kulturelles Vorhaben nur mittelfristig angedacht werden. Trotzdem sollte die Idee schon jetzt diskutiert werden, denn bis das Konzept für ein solches Zentrum erstellt ist, vergehen vermutlich Jahre und die öffentlichen Haushalte sehen dann vielleicht schon wieder anders aus...

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1 Kommentar

Dennis Friedrich, 29. August 2020 um 12:59 Uhr

Ebenso im Wahlprogramm der JU Wiesbaden:

Wir fordern, die Idee eines Hauses der Geschichte wieder aufzunehmen und Wiesbaden zum historischen Zentrum des Landes werden zu lassen. Als Standort könnte dabei die Nähe zum Landesmuseum sowie dem Hochbunker aus dem 2. Weltkrieg in Betracht gezogen werden, um ein geschichtliches Zentrum zu etablieren.

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