Jahrelang hat Wiesbaden aufs Auto und Parkplätze gesetzt. Das Ergebnis ist ständiger Verkehrslärm, eine Stadt voller Autos, egal wohin man schaut. Dazu kommt der Einpendel-Verkehr aus dem Taunus und dem Rheingau.
Lasst uns Wiesbaden - insbesondere, aber nicht ausschließlich - in der Innenstadt attraktiver machen für Fußgänger und Radfahrer, sicherer für Menschen allen Alters. Weniger Autoverkehr ist die Voraussetzung für ein besseres Lebensgefühl!
Angesichts der Klimakrise, die nicht zu leugnen ist (gerade steuern wir auf ein neues Dürrejahr zu), müssen wir in Sachen Verkehr Wege einschlagen, die nach "grüner" Politik klingen, aber warum sollte man das Feld den Grünen überlassen?
Citybahn unterstützen und endlich bauen!
Parkhäuser zurück in städtische Hand, in der Nacht von Bewohnern - gegen Entgelt - nutzen lassen, Parkplätze oberirdisch mit einem Preis versehen (überall!, mind. innerhalb des 2. Rings).
Busfahren günstiger machen, nicht nur für Abo-Kunden (365-Euro-Ticket), auch für die, die nur ab und an den Bus nutzen (1 Euro pro Fahrt?).

Was moderne Verkehrspolitik betrifft, empfiehlt sich der Blick in andere Städte außerhalb Deutschlands (in D fehlt es an mutigen Politikern). Das wünsche ich mir in und für Wiesbaden!

https://www.sueddeutsche.de/auto/wege-aus-dem-verkehrschaos-autos-muessen-draussen-bleiben-1.4801247-9
https://www.zeit.de/serie/sauber-durch-die-stadt

In dem ZEIT-Artikel fehlt unsere Partnerstadt Ljubiliana: In den Innenstadtkern dürfen nur noch Anwohner und im Schritttempo, abgeriegelt mit Pollern, die über Transponder bedient werden. Im autofreien Bereich verkehren (kostenlose) Shuttles, die einen von der Bushaltestelle zum Arzt oder vom Einkauf mit schweren Tüten zum Bus bringen.

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8 Kommentare

Michael Hofmeister, 01. Juli 2020 um 14:56 Uhr

Nur ein umfassender Verkehrsentwicklungsplan kann Grund für welche Maßnahme auch immer sein. Solitäre Maßnahmen haben bundesweit allen Städten nur geschadet.

Viele Menschen sind in Wiesbaden auf ihr Auto angewiesen oder fahren eben gerne Auto. Warum soll man diesen Menschen ihre Freiheit nehmen? Deswegen: richtig, @Herr Benecke, der Mix macht es.

Vor einem kopflosen Citybahn-Bau sollte man lieber zunächst die ganzen dreistelligen Millionensummen für Werbung, Aufsichtsräte etc. in die Instandhaltung der Strecke Wiesbaden-Taunusstein-Bad Schwalbach investieren, diesen Pendelverkehr, der dann auch nach Limburg bzw. Frankfurt am Main wieder unmittelbar anschlussfähig ist/wird, aktivieren.

Deswegen: auch ein NEIN zu diesem Punkt.

Daniela Georgi, 06. Mai 2020 um 10:18 Uhr

@Ursula B. Ich bin ja bei Ihnen, dass die Umweltspur an sich keine schlechte Sache ist. Aber meiner Ansicht nach spricht nichts dagegen, diese nachts - wenn kaum Busse und Radfahrer unterwegs sind - für parkende Autos freizugeben. Und ja, ich weiß, dass Menschen am 1. Ring wohnen, wir gehören nämlich auch dazu ((-:

Ursula B., 04. Mai 2020 um 12:02 Uhr

@ Daniela Georgi: Das sehe ich anders. 66.000 Autos täglich auf dem Ring! Da wohnen Menschen! Und nicht wenige...
Nicht alle, die da fahren, transportieren kleine Kinder (was durchaus auch ohne Auto geht, habe ich gemacht), müssen große Gerätschaften mit sich führen (Handwerker/Dienstleister), holen gerade einen Kühlschrank ab.
Ich alleine kenne eine Handvoll gesunde und fitte Leute, die keine 3 km, ohne nennenswerte Steigung, mit dem Auto fahren, trotz Jobticket - weil es vor Ort kostenlose Parkplätze gibt.
Nach der Arbeit fahren sie dann mit dem Auto zum Fitnessstudio. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

Ich finde es richtig, dass mit der Umweltspur die Pünktlichkeit der Busse verbessert wird, einige Autofahrer davon abgehalten werden, mit dem Auto den ersten Ring lang zu fahren und die Radfahrer eine bessere und sicherere Verbindung zum Bahnhof haben. Abgesehen davon, dass diese Umweltsspur Teil der Maßnahmen ist, die Wiesbaden von einem Dieselfahrverbot verschont hat.

Ja, da sind "über-Nacht-Parkplätze" weggefallen. Aber: Wieso schaffe ich mir ein Auto an, dass ich eigentlich nicht brauche und für das ich auch keinen Stellplatz habe? Es gibt kein Grundrecht auf einen (kostenlosen) Parkplatz in der Stadt. Da stehe ich zu und finde den Weg, den andere Städte da seit längerem gehen, richtig.

Daniela Georgi, 02. Mai 2020 um 22:09 Uhr

Der Ausbau der Radwege in Wiesbaden ist sicher eine gute Sache, die ich persönlich auch begrüße. Aber es ist nun mal so, dass es nach wie vor Menschen gibt, die auf ein Auto angewiesen sind, selbst wenn sie in der Innenstadt leben. Gerade für Familien mit kleinen Kindern (Kinderwagen) ist weder das Fahrrad noch der ÖPNV eine echte Alternative. Daher halte ich es für eine absolut verfehlte Maßnahme, die Einführung der Umweltspur am 1. Ring allein auf dem Rücken der Autofahrer auszutragen. Die dort weggefallenen nächtlichen Parklätze stellen eine ernsthafte Belastung für die Bewohner der umliegenden Gebiete dar. Hier muss ein Konzept her, welches Ausgleichsflächen für wegfallenden Parkraum ausweist

Ursula B., 22. April 2020 um 09:34 Uhr

@Erhard Stahl: Sie schreiben "Wenn die Ideen des Mobilitätsleitbildes umgesetzt werden ohne Nachbesserungen, wird es zu Mobilitätsleidbild! Kluges Miteinander alles Verkehrsteilnehmer bringt mehr als die bewusste "Bevorzugung" einer speziellen Gruppe."
Der Punkt ist doch, dass in Wiesbaden seit Jahrzehnten genau eine spezielle Gruppe - nämlich Autofahrer - bevorzugt wurde. Was jetzt passieren muss, ist, dass insbesondere Fußgängern, aber auch Radfahrern und ÖPNV-Nutzern mehr Raum eingeräumt werden muss.
Corona zeigt sehr deutlich, wem die Straße gehört: den Autos.
Versuchen Sie doch mal, als Fußgänger im Begegnungsverkehr anderthalb Meter Abstand zu halten! Unmöglich - und das gilt für nahezu jeden Straßenzug in der Stadt, den Stadtteilen und Vororten. Da wird geparkt, was das Zeug hält, teilweise halbhüftig, teilweise quasi auf der Fläche, die auch Gehweg sein könnte (z.B. Sonnenberger Straße). Und aus Bequemlichkeit, weil man nicht so weit laufen will, in Kurvenbereichen vor abgesenkten Bordsteinen, was die Feuerwehr, die Müllautofahrer und Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Kinderwagen ganz besonders freut. In meiner Wohngegend werden auch die Garagen nur maximal zu einem Drittel nicht genutzt - "Die Garage ist zu klein" - na, vielleicht ist das Auto zu groß?.

Oder schauen Sie sich die vollen Busse an: Hier auch nur im Ansatz Abstand zu halten - das ist auch in Nicht-Corona-Zeiten geboten, fühlt sich besser an, von Infektionsgefahren mal ganz abgesehen - ist kaum möglich. Wir brauchen eine CityBahn.
Die Alternative, die das Leitbild aufzeigt, überzeugt mich nicht: ein BRT Bus Rapid Transit. Abgesehen von den immensen Kosten, die nicht förderfähig sind, ist es auch stadtgestalterisch eine mittlere Katastrophe. Ich habe mir angeschaut, wie das in anderen Städten aussieht: Betontrassen, abgetrennt von anderen Fahrspuren. Ja, mit einer CityBahn wird sich einiges ändern, aber ich sehe das positiv. Auch da kann man sich andere Städte zum Beispiel nehmen, die sich nach Einführung einer Straßenbahn sehr zum Positiven entwickelt haben!
Zu Ihrem Punkt mit dem privaten Parkraum: Im Moment befindet der sich mehrheitlich auf der Straße, im öffentlichen Raum - ich schrieb es oben schon. Kostenlos oder zu dem lächerlichen Preis von 23,50 EUR (Gebühr für den Bewohnerparkausweis, für zwei Jahre!). Es gibt kein Grundrecht auf kostenloses oder sehr kostengünstiges Parken im öffentlichen Raum!
Ja, lassen Sie uns Quartiersgaragen bauen - am Elsässer Platz scheiterte das doch daran, dass die Kosten für einen Stellplatz von über 100 Euro den Autobesitzern zu hoch sind. Im Vergleich zum IST ist das so. Es muss einfach jedem Autofahrer klar sein, dass Stellplatz-Kosten Teil der Autokosten sind.
Mit einem klugen Konzept gelingt es, die Interessen aller Verkehrsteilnehmer unter einen Hut zu kriegen. Und am Ende sind doch alle Autofahrer irgendwann auch Fußgänger, manchmal auch Radfahrer oder ÖPNV-Nutzer, letzteres in Zukunft bei einem verbesserten System häufiger.
Nicht zu vergessen: Wenn ein ganzheitliches Verkehrskonzept umgesetzt wird und wir es schaffen, dass mehr Menschen zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren oder den ÖPNV (ergänzt um door-2-door-shuttles) nutzen, ggf noch Lieferservices für größere Besorgungen, hilft das doch auch denen, die auf das Auto angewiesen sind.

Erhard Stahl, 20. April 2020 um 17:37 Uhr

Zweifellos muss sich etwas ändern im Verkehrsbereich und - so heißt es im Mobilitäts-Leitbild: "..die Stadtgesellschaft" soll zu "Treiber" dieser Entwicklung werden - also wir alle! Verständnis für Veränderungen und die begleitenden Aktivitäten bekommt man aber nicht über Zwangsmaßnahmen! So soll weniger Parkraum für private Nutzung vorgehalten werden. Und wo bleiben die Autos? Wo ist die Alternative zum Wegfall von Parkraum, wo bleiben z.B. Quartiersgaragen?
Die Ausführungen, dass sich Radfahrer verunsichert fühlen, wenn sie entgegen der Fahrtrichtung in Einbahnstraßen fahren sind absolut richtig Aber warum werden diese falschen Entscheidungen nicht zurückgenommen?
Die Ortsbeiräte als Kenner der Lage vor Ort müssen aktiver eibezogen werden, dann ergeben sich daraus auch Vorschläge, die von den Bürgern akzeptiert werden!
Zunächst ist es besser, für Optimierung des Verkehrsflusses zu sorgen, etwa durch kluges Zusammenspiel von Einbahnstraßenregelungen und durch Steuerung des Durchgangsverkehrs.. Das kann man machen durch die digitale Verkehrssteuerung mittels der Ampeln. So kann die "grüne Welle" sinnvoll eingesetzt werden. Es gibt so viele Punkte zum Verkehr und dessen Optimierung. Wenn die Ideen des Mobilitätsleitbildes umgesetzt werden ohne Nachbesserungen, wird es zu Mobilitätsleidbild!
Kluges Miteinander alles Verkehrsteilnehmer bringt mehr als die bewusste "Bevorzugung" einer speziellen Gruppe.

Ursula B., 16. April 2020 um 17:47 Uhr

Vorweg: Ich wohne nicht in der Innenstadt. Unseren Familienalltag mit zwei Vollzeit-Berufstätigen, einer davon Pendler nach Frankfurt, zwei mittlerweile erwachsenen Kindern (nicht mehr im Haushalt) und viel ehrenamtlichem Engagement bestreiten wir ohne Auto. Wenn wir eines brauchen, nutzen wir ein CarSharing-Auto.
Wo und wie kaufen wir ein? Da der Heimweg von der Arbeit für beide durch die Innenstadt führt, kaufen wir Alltägliches in der Stadt oder ggf. noch im Stadtteil (REWE, dm). Das passiert sowohl mit dem Fahrrad als auch mit dem Bus. Wir kaufen öfter, dafür nicht so viel auf einmal. Weitere Besorgungen erledigen wir ebenfalls in der Stadt, im Gartencenter, selten mal im Baumarkt. Amazon lehnen wir aus Prinzip ab, weil wir den lokalen (kleinteiligen) Handel unterstützen. NB: Die Kosten für ein Auto, die wir sparen, mind. 150 EUR im Monat im Vergleich Car-Sharing / eigener Kleinwagen, reinvestieren wir in lokalen Geschäften, selbst wenn die Produkte da ein paar Cent oder gar Euro teurer sind als bei Amazon.

Seit es E-Bikes gibt - und die stellen mittlerweile die Mehrheit der neu verkauften Fahrräder dar - sind auch Distanzen bis 15 km kein Thema. Ich kenne einige Bewohner der Ost-Vororte (Nordenstadt, Naurod, Delkenheim), die mit ihren motorisierten Fahrrädern in die Innenstadt fahren: Bewegung an der frischen Luft und keine Parkplatzsuche und -gebühren. Und: 80% der Einkäufe lassen sich mit dem Fahrrad nach Hause transportieren.

Es ist sehr schade, dass das Thema "Verkehrswende" mit Auto-/Individualverkehr-Bashing gleichgesetzt wird. Darum geht es gar nicht: Das Auto hat seine Berechtigung, aber eben nicht für Kurzstrecken im Innenstadtbereich! Wir müssen es schaffen, eine Stadt der kurzen Wege zu schaffen, so dass man nicht für jeden Einkauf oder eine Freizeitbeschäftigung das Auto in die Hand nehmen muss. Selbst für lange Wege muss es attraktive Alternativen geben. So finde ich es z.B. ein Unding, dass die Fasanerie mit dem Bus nur schwer zu erreichen ist. Aus Kohlheck mit dem Auto 10 min, mit dem Bus im besten Fall 40 min - da ist doch klar, dass man das Auto nimmt.

Gute Alternativen zum Auto sind auch aus sozialen Aspekten wichtig. Zum einen wohnen in den vom Auto besonders belasteten Innenstadtbezirken viele Menschen, die ein eher niedriges Einkommen haben. Zum anderen kann sich nicht jeder ein Auto leisten. Auch diese Menschen müssen Alternativen haben.

Anders als Sie begrüße ich die Maßnahmen, die durch das drohende Dieselfahrverbot erst möglich gemacht wurden.
Die Umweltspur wird dafür sorgen, dass die Busse pünktlicher werden, weil sie am Stau vorbei fahren können. Das macht den Bus dann vielleicht auch für den ein oder anderen attraktiver?
Ebenfalls befürworte ich den Ausbau von Radwegen. Ihr Beispiel Sonnenberger Straße: Der Großteil der Kosten entsteht, weil die Fahrbahn erneuert werden muss. Das kommt den Autofahrern und Busnutzern zugute. Die Farbe für den Radweg und das Dutzend Poller zur Sicherung gegen Gehwegparken sind die kleineren Ausgabenposten. Der Wegfall der Parkplätze ist aus meiner Sicht zu verkraften. Unter der Woche sind das meines Erachtens ganz oft Pendler, die dort parken, weil es nichts kostet. Es gibt reichlich Parkhäuser im Umfeld, u.a. ein selten zu mehr als 20% ausgenutztes RMCC-Parkhaus.
Die Wegnahme der Parkplätze wird im Übrigen auch auf der Sonnenberger Straße für ein besseres Durchkommen der Busse sorgen.

Lesen Sie die Artikel, die ich verlinkt habe: Andere Städte machen es vor. Warum nicht Wiesbaden?
Nach 60 Jahren "autogerechte Stadt" wünsche ich mir von einer Partei, die das "Wiesbaden von morgen" gestalten will, keine Konzepte von gestern.

P.S.: Im Übrigen empfinde ich Ihre Einstellung als ein Bashing gegen ÖPNV-Nutzer und Radfahrer. Das sind auch Wähler!

Joerg Benecke, 16. April 2020 um 16:00 Uhr

Nein zum Auto- und Indivdualverkehr-Bashing.
Es geht um einen gesunden Mix aller Verkehrsteilnehmer und dazu gehört auch der Autoverkehr, der gerade aufgrund der Topografie Wiesbadens zum Stadtbild dazugehören muss.
Wenn wir Arbeitsplätze und eine attraktive Innenstadt wollen, dann braucht es ausreichend Platz für den Individualverkehr. Die sogenannte „Umweltspur“ muss umgehend Rückgeführt werden. Parken auf dem Ring in den Abendstunden wieder eingeführt werden.
1 Mio Euro für ein Stückchen Fahrradweg auf der Sonnenberger Straße bei Wegfall der Parkmöglichkeiten sind in hohem Maße Unverhältnismäßig.
Als Familie mit Kindern fahre ich nicht mit dem Fahrrad in die Stadt oder zum Schwimmbad/Eisbahn. Erst recht nicht wenn sie in Igstadt, Naurod, Medenbach oder Delkenheim wohnen.
Shopping, ob Ostern oder Weihnachten, mit dem Fahrrad???
Man muss auch mal die Wiesbadener berücksichtigen, die in die Innenstadt hinein fahren und nicht nur die, die im Innenstadtbereich wohnen.
Mit „Autos raus aus der Stadt“ machen wir Amazon, dass MTZ und alle Freizeiteinrichtungen außerhalb Wiesbadens immer attraktiver.
Daher ein Nein zu Ihrem Punkt.

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